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20.08.2016

Dr. Thomas Lob-Corzilius erläuterte die Gefahren zu hoher Nitratanteile im Grundwasser.

Osnabrücker Kinderarzt sieht Trinkwasser bedroht

Hilter. „Wie gefährlich ist Nitrat im Trinkwasser?“ Aufklären sollte ein Vortrag des Osnabrücker Kinder- und Jugendarztes sowie Umweltmediziners Dr. Thomas Lob-Corzilius, zu dem Bündnis 90/Die Grünen am Mittwochabend in das Gasthaus Ellerweg in Hilter eingeladen hatten.

Mit dem Begriff Grundwasserverseuchung, wie ihn der langjährige Amtsarzt Dr. Hanns Henning Dornheim in den 80er-Jahren in die Runde brachte, tue er sich schwer, so Lob-Corzilius . Zuvor hatte er offizielle Bundeszahlen zur Nitratbelastung in Deutschland und Niedersachsen vorgestellt. „Aber – auch in unserer hochbelasteten Region – ist es für mich eine Bedrohung. Ich finde, dass wir das klar benennen müssen. Wir müssen aufklärend tätig sein und auf Landwirtschaftsverbände Einfluss nehmen, damit wir mit Gülle und mit Mineraldünger verantwortungsbewusster und reduzierter umgehen. Das muss sich ändern.“ Trotzdem sei für die nächste Zeit davon auszugehen, dass „das Wasser aus unseren Rohren unbedenklich ist, bei allem, was ich zu kritisieren habe“. Es könne uneingeschränkt etwa zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden.EU klagt wegen VertragsverletzungGleichzeitig befürwortete er die Vertragsverletzungs-Klage der Europäischen Kommission. Die gebe es, weil Deutschland derzeit nicht gewährleisten könne, die Nitratwerte dauerhaft unter den Grenzwert von 50 mg/l zu senken. „Wenn auf Dauer nichts geschehen würde, haben wir ein Problem.“ Dann sei eine gesicherte Unterschreitung des Grenzwerts nicht mehr zu gewährleisten.

Als schlecht in den Untersuchungen des Bundes bewertet werden Grundwasserkörper, deren Grenzwert über 25 mg/l liegt. „Unser norddeutsches Land ist flächendeckend problematisch“, besagten die offizielle Daten. In einer Region mit hoher Tierhaltung und hoher Gülleproduktion und -Ausbringung sei das „ganz klar“. Der Grundwasserkörper sei bedroht, „wir haben eine zunehmend starke Nitratbelastung, deswegen haben Wasserwerker zunehmend Probleme, die Anforderungen zu erfüllen“. 

Nitrate und Nitrite in Maßen unbedenklich

Nitrate kämen generell in Böden und verstärkt in Blattgemüse wie Spinat, Salat oder Rucola vor, als Grundlage für Pflanzeneiweiß. Die könne man sich im normalen Umfang weiter gönnen. Daraus könnten aber etwa beim zweiten Erwärmen von Spinat oder im Magen Nitrite entstehen und sich mit Eiweißbestandteilen zu Nitrosaminen verbinden. Das passiere auch beim Grillen von Pökelfleisch. Teilweise werden diese als krebserregend eingeschätzt.

Nitrite seien etwa als Pökelsalz in Wurst enthalten und als E249 und E250 erlaubter Zusatzstoff. Für Erwachsene sieht die WHO 3,7 mg pro Kilo Körpergewicht am Tag als „duldbar“ an, Kinder ab drei Jahren sollten maximal 93 mg am Tag aufnehmen. Bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten könne Nitrit das Hämoglobin so verändern, dass es keinen Sauerstoff mehr transportiere. Seit Jahrzehnten sei ihm aber kein Fall einer so entstandenen „Blausucht“ bekannt. Lob-Corzilius erläuterte die Dimension: In 90 Liter „Grenzwertwasser“ sei so viel Nitrat wie in einem Kilo Wintersalat.

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Annette Wüppen aus Wellendorf beklagte, dass oft das Argument aufkomme: Wer kein Landwirt sei, könne gar nicht mitreden. Sowohl Kreisfraktionsvorsitzender Rainer Kavermann als auch Johannes Bartelt betonten, dass nur gemeinsam mit den Landwirten eine Veränderung hin zu alternativer und dennoch wirtschaftlich rentabler Landwirtschaft machbar sei.



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